Wie wird eigentlich ein Stecheisen hergestellt: Zu Besuch bei Kirschen

Wie wird eigentlich ein Stecheisen hergestellt: Zu Besuch bei Kirschen

Glühender Stahl, ein donnernder Hammer und Robotik: Willkommen in der wohl bekanntesten und letzten Stecheisenschmiede Deutschlands.

Die rote Frucht der Firma Kirschen ziert nicht nur die Stecheisen, sondern sogar die Giebelseite der Produktionsstätte in Remscheid - in Schiefer, versteht sich.

Seit der Gründung 1858 durch Wilhelm Schmitt werden hier Schnitz- und Stecheisen gefertigt, von der Rundstange bis zur geschärften Schneide.

Innerhalb von Sekunden werden Stahlstangen hier auf eine Temperatur von ca. 1200°C erhitzt.

 

 

Der glühende Stahl wird in das Gesenk gelegt, ein mechanischer Hammer schlägt es in Form.

 

 

Das Gesenk wird je nach Breite des Stecheisens ausgetauscht.

 

 

Bereits jetzt ist erkennbar, dass das wohl mal ein Stecheisen werden soll. Die Überstände werden mit einer Stanze entfernt.

 

 

Keine Robe in Sicht, dennoch wird gerichtet: Mit feinen Schlägen und geschultem Auge wird das Eisen mitsamt der Angel (die konische Spitze, welche im Heft steckt) in Flucht gehämmert.

 

 

Der bislang weiche Stahl wird nun gehärtet: Im leuchten roten Salzbad werden die Stecheisen auf 800°C erhitzt und in Salzwasser abgeschreckt. Dadurch wird der Stahl hart, aber auch spröde. Beim anschließenden Anlassen bei deutlich niedrigeren Temperaturen verliert der Stahl ein wenig an Härte, wird dafür aber auch zäher.

 

 

Die endgültige Härte liegt bei ca. 61 Hrc und wird stichprobenartig kontrolliert.

 

 

Alle weiteren Arbeitsgänge finden in der zweiten Halle statt: Statt der bisherigen schon fast mystischen Atmosphäre ist nun alles hell ausgeleuchtet und Roboter kommen zum Einsatz: Beispielsweise um die Stecheisen so präzise in die Drehbank einzulegen, dass der Hals (unteres Ende der Klinge) exakt abgedreht werden kann.

 

 

Dieser Arbeitsschritt ist wichtig, um beim anschließenden Schleifen möglichst wenig Material abtragen zu müssen. Fotos waren hier leider schlecht möglich.

 

 

Der hier zu sehende Schleifstaub ist, ähnlich wie bei einem Stahlschwamm, brennbar und wird daher in Wasser gebunden.
Über die Jahrhunderte sind leider viele Schmieden dem Feuer zum Opfer gefallen.

 

 

Den geschliffenen Stecheisen fehlt noch eine scharfe Schneide. Vorab wird jedoch jedes einzelne Stecheisen einem Bruchtest unterzogen.
Eventuelle Lunker (Einschlüsse im Stahl) können beim Schmieden entstehen und stellen eine Sollbruchstelle dar.
Wer diese Prüfung nicht besteht, wird wieder eingeschmolzen.

 

 

In diesem Revolver liegen alle Stecheisen bereit für den finalen Feinschliff der Schneide. Der Roboter im Hintergrund sorgt für gleichbleibende Qualität.

 

 

Hohle/gerundete Schnitzeisen werden in kleinerer Stückzahl gefertigt und noch von Hand geschärft. Die ausgebildeten Schleifer führen die Schneide mit einer ähnlichen Präzision an dem Schärfsteinen entlang, wie zuvor der Roboter.

 

 

Nach einer abschließenden Politur mit Sisalfasern, in der jegliche Schleifspuren entfernt werden, und dem Aufstecken des Heftes, liegt es vor uns: Das fertige Stecheisen. Ein deutsches Qualitätsprodukt mit einer gelungenen Mischung aus traditionell bewährten Methoden, Handarbeit und moderner Präzision.

Stecheisen und weitere Produkte der Firma Kirschen findet ihr hier.

Zurück zum Blog